LTE oder WiMAX - die aktuelle Entwicklung

Die beiden Wireless Technologien WiMAX und LTE werden schon seit einiger Zeit aufgrund ihrer großen Ähnlichkeiten immer wieder miteinander verglichen und es wurden Prognosen abgegeben, welche der Technologien sich gegen die andere durchsetzen wird. Inzwischen wird deutlich, wie sich die zukünftigen Einsatzfelder der beiden konkurrierenden Technologien definieren werden. Abzusehen ist, dass WiMAX im Bereich großer zellularer Mobilfunknetze kaum eine Zukunft hat, hier wird LTE dominieren.

Direkte Konkurrenz durch TD-LTE

Diese Entwicklung hängt auch mit der starken Förderung und Unterstützung für die TD-LTE Technologie durch die Industrie zusammen. TD-LTE verwendet genau wie WiMAX die "Time Division Duplex" Technik (TDD). Im Gegensatz zum Frequenzduplex werden Up- und Downstream nach Zeit und nicht nach Frequenzen voneinander getrennt. WiMAX war dadurch zunächst keiner direkten Konkurrenz auf ungepaarten Spektren ausgesetzt. Nun wird TD-LTE jedoch massiv durch verschiedene Unternehmen gefördert. Zur Expo 2010 wurde ein erstes Testnetz aufgebaut, für das bereits Endgeräte zur Verfügung standen[1].

Nicht verwunderlich, dass das erste Testnetz in China aufgebaut wurde, TD-LTE wurde auch zunächst für den chinesischen Markt entwickelt. Das Interesse von Netzbetreibern in anderen Ländern hat jedoch schnell zugenommen. Die Lizenzen für ungepaarte Frequenzen sind für die Netzbetreiber in der Regel günstiger, zudem lässt sich ungepaartes Spektrum durch die TDD Technik effizienter nutzen, da das Verhältnis von Down- zu Upstream variabel justierbar ist, dies wird insbesondere bei größer werdender Frequenzknappheit bedeutender.

Große WiMAX Netzbetreiber erwägen Migration zu LTE

Einige große Betreiber von WiMAX Netzen hinterfragen ihr Engagement in die WiMAX Technik und loten Möglichkeiten für eine Migration von WiMAX hin zu LTE aus. Dazu gehören auch die derzeit weltweit größten WiMAX Netzbetreiber. Nachdem Sprint und der WiMAX Partner Clearwire immer größeres Interesse an LTE zeigte[2], gab auch der Russische WiMAX Netzbetreiber Scartel (WiMAX Marke heißt Yota) einen möglichen Umstieg bekannt.

Im Mai hatte Sprint seine Verträge mit Intel dahingehend geändert, dass auch der Netzausbau mit LTE möglich wird und ist angeblich mit Netzausrüstern in Gesprächen über eine mögliche Umstellung des WiMAX Netzes auf LTE. Beim 3GPP hat Sprint, zusammen mit anderen Unternehmen, eine TD-LTE Spezifikation für das US 2,6 GHz Band angefragt[3], auf dem zurzeit das WiMAX Netz von Clearwire betrieben wird. Die Migration wäre natürlich mit Kosten verbunden aber bis zu 75%[4] der Infrastruktur gleichen sich und müssten nicht neu implementiert werden. Ein paralleler Betrieb beider Technologien wäre jedoch auch denkbar.

Der Betreiber des größten russischen WiMAX Netzes, Scartel hat angekündigt noch im Jahr 2010 mehrere russische Städte mit LTE versorgen zu wollen. Einen Disput gab es zunächst darüber, ob Yota die Frequenzen für LTE nutzen darf, Yota behauptet die Lizenzen seien an keine Technologie gebunden, die russische Regulierungsbehörde widersprach erst, lenkte später jedoch ein und hat nun keine Einwände mehr gegen eine LTE Nutzung. Einem LTE Ausbau steht somit nichts mehr im Weg.

Welche Gründe sprechen für LTE bzw. einen Umstieg von WiMAX

Hier gibt es eine Kette von Gründen, die aufeinander aufbauen.

Der ursprüngliche Grund für die breitere LTE Unterstützung liegt sicherlich in den Spezifikationen. Die meisten großen Mobilfunknetze basieren auf Technologien (u.a. GPRS, EDGE, UMTS und HSPA) die vom 3GPP spezifiziert wurden, dies gilt auch für LTE. Der Umstieg auf LTE verspricht daher eine bessere Kompatibilität zu den existierenden Netzen, da LTE auf den bestehenden Spezifikationen basiert. Insbesondere für Fallback Szenarien, beispielsweise von LTE auf UMTS, ist dies ein großer Vorteil. WiMAX hingegen wurde vom IEEE standardisiert, einem Berufsverband für Ingenieure, der ganz eigene Spezifikationen für WiMAX entwickelt hat, die nicht auf bestehenden Mobilfunktechnologien basieren. Dieser Sachverhalt führt zu einer Favorisierung der LTE Technik durch die Netzbetreiber.

Für die Netzbetreiber wiederum ist es wichtig an einem Strang zu ziehen, Stichwort Roaming. Fast alle großen Mobilfunk Netzbetreiber haben sich zur LTE Technologie bekannt. Damit wird es für Nutzer von LTE Endgeräten in Zukunft deutlich mehr Optionen geben in ein anderes Netz zu wechseln, im Inland als auch im Ausland. Für die Netzbetreiber steigt dadurch die Attraktivität des Netzes und auch der Umsatz. Ein quasi isoliertes WiMAX Netz zu betreiben macht da nicht unbedingt Sinn.

Diese Kausalkette lässt darauf schließen, dass sich letztlich eine Technik im Bereich der großen Mobilfunknetze bzw. mobilen Breitbandnetze durchsetzt und das wird nach aktuellem Stand der Dinge LTE sein. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht das "Aus" für WiMAX. Fixed WiMAX ist eine ausgereifte Technik, die auch aufgrund ihres offenen Standards Vorteile bieten kann.

Artikel aus http://www.ltemobile.de

 


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